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Root Talk: Engagement & Distanz

  • vor 14 Stunden
  • 11 Min. Lesezeit

 RFG Root Talk: Elisa & Marie

Protokoll: Annika Böttcher



Wie ist es, für die Root Foundation Germany tätig zu sein, ohne je in Ruanda gewesen zu sein? Inwiefern erzeugt die fehlende Auslands- und Volunteering-Erfahrung in der Root Foundation Rwanda eine andere, bereichernde Perspektive? Darüber unterhalten sich bei einem Treffen Marie Dudek und Elisa Werfel. Marie ist Vorstandsmitglied der Root Foundation Germany, Elisa die Grafikdesignerin des Vereins.





Elisa:

Wir sind zwei von wenigen Mitgliedern der Root Foundation Germany, die nie in Ruanda waren. Wie bist du denn eigentlich in den Verein gekommen? 


Marie:

Maxi hat mich akquiriert, als ich Politikwissenschaften im Bachelor studiert habe. Wegen der Corona-Pandemie hatte ich einerseits etwas Leerlauf und andererseits Lust, Erfahrungen zu sammeln im internationalen Kontext. Und da meinte Maxi, mach doch mit. 

Ich habe dann erst mit dem Blog angefangen und nach etwa einem Jahr meinte er, na, wie wär’s mit ein bisschen mehr Verantwortung. So zum Team zu stoßen und später in den Vorstand zu gehen, war für mich eigentlich eine gute Ergänzung zum Studium, bis heute. Wie war es bei dir? 


Elisa:

Ich bin natürlich auch durch meine Brüder an die Root Foundation gekommen als mich jemand gefragt hat, ob ich als Designerin grafisch unterstützen kann. So fing das an, mit der Website und mal einem Flyer. Dann hatten Maxi und ich irgendwann die Idee zum Magazin, damit Spender*innen die Projekte in Kigali sehen können und mitkriegen, was eigentlich in der Organisation so läuft.

Die Root Foundation macht ja vor Ort auch vieles, was nichts mit der Root Foundation Germany zu tun hat. Diese ganzen Projekte zu sammeln und aufzubereiten mache ich jetzt hauptsächlich; das ist einfach meine Leidenschaft.


Marie:

Hast du neben diesen Projekten das Gefühl, dass du trotzdem verbunden bist mit dem, was sonst noch passiert oder siehst du dich dann eher wirklich nur beim Design? 


Elisa:

Teils, teils. Ich fühle mich mittlerweile schon stark verbunden, weil ich dadurch, dass ich die ganzen Inhalte aufarbeite, viel mit den Projekten in Kontakt komme - obwohl ich noch nie in Ruanda war und auch mit den einzelnen Teammitgliedern eigentlich nicht viel zu tun habe. Trotzdem habe ich das Gefühl, Teil der Root Foundation im Ganzen zu sein, was irgendwie ja auch schön ist, dass das so ein kleiner Kosmos ist.

Jeder hat so eigene Anknüpfungspunkte, denke ich. Ich habe auch schon öfters zu Johannes gesagt, wir müssen auf jeden Fall mal hin, einmal vor Ort gewesen sein. Denn es haben natürlich alle, die für ein freiwilliges Jahr oder anderweitig dort waren, noch mehr eine Verbindung und ein Gefühl auch für die Leute und das Leben vor Ort.

Aber wie geht es dir? Du bist ja auch quasi ohne, sage ich mal, ‘roots’. 


Marie:

Ja, ich fühle schon manchmal sehr, dass da ein Unterschied zwischen mir und den Leuten ist, die vor Ort waren oder es regelmäßig immer noch sind. Mir fehlt manchmal ein Verständnis dafür, wie Prozesse funktionieren und wer jetzt da mit wem wofür zuständig ist und so. Und ich würde natürlich auch gerne irgendwann mal hin. Aber andererseits denke ich auch, vor allem im Vorstand, aber auch insgesamt, ist es ganz gut, eine Perspektive einzunehmen und zu halten, die nicht vor Ort ist. Die irgendwie so ein bisschen als Korrektiv funktionieren kann, wo man sagt: ‘Hier, habt ihr das schon bedacht? Oder auch: So geht das nicht.’ Manchmal bin ich da, glaube ich, allerdings auch zu sehr in dieser Rolle. 


Elisa:

Ja, ich kann mir vorstellen, dass das dann aber auch daran liegt, dass die Leute, die schon so lang dabei sind, vielleicht weniger hinterfragen und nochmal schauen: Muss das denn so oder warum laufen die Prozesse so? Da ist das eigentlich ganz gut, wenn du sagst, du bist so als Korrektiv dabei. 


Marie

Ja, und ich glaube vor allem auch strukturell-inhaltlich, nicht unbedingt mit der Projektarbeit, sondern eher in Bezug auf allgemeine Zielsetzungen: Was wollen wir eigentlich als Root Foundation Germany? Wo wollen wir in Zukunft hin, auch inhaltlich? Auf den großen Projekten, die wir gemeinsam mit der Root Foundation durchführen, liegt jetzt durch die großen Stiftungen, die die Finanzierung übernehmen, sowieso noch einmal ein ganz anderer, externer Blick. 


Elisa:

Das finde ich total interessant, dass du das so betonst, weil gerade das immer so ein cooler Teil der Root Foundation Germany war: dieses Ziel, entwicklungspolitische Zusammenarbeit zu hinterfragen. Da gibt es sicherlich einige Themen, bei denen durchaus Luft nach oben ist. Ich glaube, wir hatten dahingehend auch schon echt gute Blogbeiträge.

Es scheitert dann eigentlich immer daran, dass wir alle das ja bloß nebenbei machen; on top zu Studium, Masterarbeit oder Vollzeitstelle und dann bleiben die Ideen auf der Strecke. Aber ich glaube, generell in der Root Foundation ist total viel Potenzial, auch außerhalb der Spendenarbeit. 


Marie:

Warum bist du nach den ersten Design-Tätigkeiten dabei geblieben?

 

Elisa:

Tatsächlich vorrangig wegen des Magazins. Auf meiner Arbeit habe ich immer eine:n Kund:in und muss die Dinge so machen, wie der:die sich das auch vorstellt. Ich bin nie so frei und kann sagen: So gestalte ich jetzt und so finde ich das super und so bleibt es. Beim Magazin habe ich mich hingesetzt und ein bisschen mein eigenes Ding gemacht. Das macht Spaß. Dazu zu sehen, was das Team vor Ort alles macht, was für coole Programme umgesetzt werden, gibt mir viel und ist schon ein großer Teil, warum ich dabei geblieben bin.

Weil ich aber auch on top gar nicht die Zeit hätte, noch Projekte zu steuern und Gelder an Land zu ziehen und dann in der Umsetzung dabei zu bleiben, ist das Magazin ein Projekt, was ich stemmen kann, mir Spaß macht und ja auch echt gut angenommen wird. 


Marie:

Das ist ja auch total cool, wenn du einerseits etwas für die Organisation tun kannst, aber eben auch einfach was ausleben kannst, was dir Spaß macht und was du sonst nicht so umsetzen kannst. Und dann auch noch positives Feedback dazu zu bekommen, das ist einfach schön, so persönlich schön. 


Elisa:

Wir haben für das Magazin 2020 ja auch schon den Bridge It Award erhalten. Den gibt es aber mittlerweile nicht mehr.


Marie:

Ja, ich glaube, manchmal stapeln wir ein bisschen tief. 


Elisa:

Du hast da völlig recht, denn eigentlich machen wir total viel und haben ja auch in Zusammenarbeit mit der Root Foundation schon super viel auf die Beine gestellt. Wenn man hier mal durch die Magazine blättern würde, würde man das auf jeden Fall sofort sehen. In den letzten Jahren sind die ja auch immer größer geworden. Also gerade die Projekte, da merkt man schon, dass es auf jeden Fall läuft.


Marie:

Eigentlich ist es ein bisschen verrückt, dass wir das alle ehrenamtlich machen. Und dass es nicht einmal eine halbe Stelle oder eine Person gibt, die das im Praktikum macht oder so. Vor allem jetzt mit diesen großen Projekten! Wenn man so drüber nachdenkt, ja. Also so Grundstückskauf, Hausbau. 


Elisa:

Es läuft halt schon immer so bei uns. Ich habe halt leider gar keinen Vergleich, wie es bei anderen Vereinen ist. Und es gibt schon, glaube ich, so Schlüsselpersonen, wenn die irgendwann sagen, sie schaffen es nicht mehr oder machen nicht mehr mit, würde die Root Foundation schon darunter leiden. Umso wichtiger, dass es in den letzten Jahren immer neue Teammitglieder gab, die sich einbringen wollen. Unsere Gruppe ist dadurch mittlerweile viel breiter gefächert als noch zu Anfang. 


Marie:

Ja, ich glaube auch, wenn sich das Team nicht erneuert, brennen die Leute auch aus. Das ist auch für mich eine Sache, über die ich nachdenke: Einerseits macht mir die Arbeit Spaß, ich stehe hinter dem, was wir machen, und es ist für mich super für den Lebenslauf oder einfach um Skills zu lernen, die ich wahrscheinlich in meinem Beruf später auch brauchen werde. Andererseits merke ich auch vor allem im Austausch mit den anderen Vorstandsmitgliedern, dass es ermüdend sein kann, wenn einzelne Personen den Hauptanteil der Arbeit schultern. Mit einem wachsenden Team wird die Aufteilung von Aufgaben leichter.


Elisa:

Was sind denn deine Lieblingsaufgaben? Weil es ist ja schon was anderes im Vorstand als jetzt, sag ich mal, wie ich - ich habe so mein Inselprojekt. Du hast schon das große Ganze mehr im Blick.


Marie:

Ich glaube, das ist meine Lieblingsaufgabe. Also einen Überblick zu haben über das, was passiert. Konkrete Projekte finde ich auch interessant, aber ich mache ja auch gerade hauptsächlich Social Media, was auch mit dem großen Ganzen zusammenhängt. Ich muss immer überlegen, wo ich meine Inhalte herbekomme. Ich finde es total schön zu sehen, was alles gleichzeitig passiert oder auch zu hören, diese Person macht dies, diese Person macht das und die beiden sind gerade schon wieder in Ruanda. 

Wir haben versucht, dieses ganzheitliche Bild mit dem Vorstand auch ein bisschen mehr ins Team zu tragen. Wir machen öfter mal eine offene Vorstandssitzung oder ein Teammeeting oder teilen von dem, was wir machen, einfach mehr mit. Wir machen nicht unbedingt mehr, aber bieten einfach an, dass man dazukommen kann. Ich glaube, dass dieses Gemeinschaftsgefühl ein großer Driver für Engagement sein kann. 


Elisa:

Auf jeden Fall. Also ich finde das super, dass ihr das macht. Ich muss dann immer aufpassen, dass ich mich nicht zu viel mit Ideen einbringe, weil es macht Spaß und wir sind eine tolle Truppe, aber…


Marie

…sonst endest du hier noch in einem Gesprächsprojekt. (lacht.) 

Ich bin auch sehr gespannt, wie das wird, wenn ich mein Studium beendet habe und anfange, Vollzeit zu arbeiten. So wie eigentlich alle im Vorstand. 


Elisa:

Naja, dann müssen eben Leute ran, die vielleicht noch ein bisschen länger im Studium sind und mehr Zeit haben, und das übernehmen. Deswegen ist neue aktive Mitglieder zu finden ja auch wirklich wichtig. Und Interessierte persönlich abholen wiederum können am besten die, die auch in Ruanda waren. 


Marie:

Ja, auf jeden Fall. Das ist so ein Punkt, wo ich denke, ich kann das einfach nicht so gut, weil ich kann nicht so gut relaten. Hast du so Momente, wo du merkst, dass du wegen der fehlenden Verbindung nach Ruanda denkst: Ich verstehe das einfach nicht? 


Elisa:

Ja, ein großes Thema ist Zeitmanagement, Deadline-Management. Ruanda-Zeit läuft irgendwie anders als die deutsche Zeit. Ich glaube, das ist einfach auch so ein kulturelles Ding. Beim letzten Magazin habe ich mal wieder graue Haare bekommen, weil ich setze meine Deadlines dann schon immer eine Woche vorher. Irgendwann komme ich aber auch an eine Frustrationsgrenze. Andererseits haben die Leute vor Ort ja auch, das darf man nicht vergessen, wirklich viele Aufgaben. Und dann kann man das, wenn man sich da reinversetzt, auch wieder verstehen.

Aber das ist schon dann immer so, wo ich denke, oh Mensch, wie schwierig kann es sein? Wobei es sich am Ende doch immer auszahlt, ich war dieses Jahr auch so begeistert davon, wie viele Leute aus Ruanda etwas beigetragen haben. Es ist schon immer eine andere Nummer, wenn wir das Magazin gemeinsam machen, als wenn das ganze Heft nur von der deutschen Seite geschrieben ist. Als das Endergebnis da war, dachte ich, es hat sich doch irgendwie gelohnt. Aber es ist auch immer etwas anstrengend.


Marie:

Ja, das habe ich beim Magazin auch beobachtet, aber in Bezug auf die Vorstandsarbeit kann ich es nicht sagen, weil ich das jetzt das erste Mal gemacht habe. Mein Eindruck ist: Wir sind nicht unbedingt näher an der Unabhängigkeit der Root Foundation in Ruanda. Es ist viel verzahnter geworden. Und es gibt viel Austausch. Das Magazin ist irgendwie auch ein Produkt davon, von dieser stärkeren Zusammenarbeit.


Elisa:

Stimmt - Ich würde allerdings gerne noch luftiger gestalten und ein bisschen magaziniger werden. Jetzt ist es immer noch sehr textlastig, dadurch, dass wir auch zweisprachig unterwegs sind mit Deutsch und Englisch. Beim Magazin ist - wie auch insgesamt bei uns im Verein - auf jeden Fall noch Luft nach oben. 


Marie

Das ist ein Blickwinkel, den wir beide aufgrund unserer Außenseiterinnen-Position eher als die anderen einnehmen können: zu gucken, was für die Root Foundation in Deutschland abseits unserer Zusammenarbeit mit der Root Foundation Rwanda noch geht. Ich habe schon das Gefühl, dass bei den anderen vor allem erst mal die Root Foundation Rwanda im Fokus steht, was natürlich der Kern der Arbeit ist, aber ich sehe uns da ein bisschen freier.

Trotzdem frage ich mich manchmal: Wenn ich nach Ruanda fliege und in die Root Foundation fahre, wie kann ich das wahrnehmen? Ich habe das Gefühl, ich bin so geprägt durch diese Rolle, in der wir hier sind, dass ich die Faszination oder vielleicht auch so diesen Zauber, den diese Reise haben könnte, nicht haben werde. Die anderen waren alle nach dem Abitur da. Dann tauchst du da auf, noch ziemlich jung und unbeschrieben und kommst irgendwie in so eine ganz andere Welt. Das werde ich nie haben. 


Elisa:

Man hat auf jeden Fall ein anderes Erlebnis, das kann ich total gut nachvollziehen. Ich stelle mir auch vor, dann da vor der Tür zu stehen und zu sagen: “Ja, ich bin die, die das Magazin immer macht.” Aber eigentlich hat man ansonsten ja keinen Anknüpfungspunkt, sondern ist wirklich zu Besuch. Da habe ich mir auch öfter schonmal Gedanken gemacht, wie das wäre, auf einmal da zu stehen. 


Marie

Ich glaube, ich würde mich in dem Moment schon fremd fühlen.

 

Elisa:

Auf jeden Fall.


Marie:

Annika hat ja vorgeschlagen, dass wir miteinander über dieses Thema sprechen. Ich habe vorher überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass es ein Thema sein könnte, weil ich gar nicht wirklich darüber nachdenke, dass da ein Unterschied zu anderen Mitgliedern der Organisation besteht. Dass das ein interessantes Thema für andere ist, finde ich wiederum spannend.

 

Elisa:

Ja, stimmt, ich habe da vorher auch nicht darüber nachgedacht, ob ich mich jetzt zugehörig fühle oder ob es einen Unterschied macht. Also klar, so Leander zum Beispiel, der hat natürlich einfach einen viel besseren Zugang zu Ruanda und wenn ich in Kontakt treten will mit dem Team, läuft es häufig über ihn, weil da natürlich auch eine Vertrauensbasis herrscht. Solche freundschaftlichen Verhältnisse aufbauen könnte ich so aus der Distanz gar nicht. Ich würde wahrscheinlich recht trocken hinschreiben und das ist dann schon einfach eine andere Basis, auf der man halt arbeitet. Aber wie du vorhin schon meintest, ich glaube, beide Seiten sind absolut wertvoll. 

Ich könnte mir auch vorstellen, dass das immer so ein Mix bleibt aus Leuten, die in Rwanda waren und aus Leuten, die einfach Bock haben auf Engagement und irgendwie dann auch thematisch natürlich das, was wir machen, gut finden. Weil ja, man hat immer diese verschiedenen Perspektiven und ich glaube, das ist wichtig. 


Marie

Ja, auf jeden Fall. Ich setze mich in meinem Studium sehr viel mit den Themen auseinander, die wir hier praktisch versuchen, in eine partnerschaftliche Beziehung zu übersetzen.  Aus meiner Sicht finde ich uns aber dafür, dass wir eine deutsche Organisation sind und vor allem eine hauptsächlich weiße Organisation, oft noch zu unbedarft. Gerade mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Rwanda, was mal deutsche Kolonie war, machen wir viel zu wenig oder haben wir viel zu wenig ein Bewusstsein dafür.

Andererseits, und das ist auch eine Unsicherheit von mir, frage ich mich, inwiefern  so ein politischerer Blick, wie ich ihn mir hier wünschen würde, vielleicht die Arbeit der Root Foundation in Rwanda behindert. Da merke ich so richtig, okay, ich kann es einfach super schwer einschätzen. Ich glaube auch deshalb, das eine ist es, nach außen hin auf Themen aufmerksam zu machen, wie wir es beispielsweise über Social Media oder den Blog versuchen - das andere ist, wenn wir uns intern damit auseinandersetzen. 

 

Elisa

Stimmt. Das Ziel ist ja immer gewesen, uns im besten Falle selbst abzuschaffen oder mindestens den Spendenauftrag. Dann wäre es eigentlich schön, wenn man trotzdem nicht die Tür schließt, sondern sagt, hey, wir haben das Gefühl, wir haben einen Auftrag, den wir weiterführen möchten... 

Letztes Jahr zum Beispiel wollte Duniya uns mal in Deutschland besuchen und ich war so schockiert, als ich dann erfahren habe, dass das Visum nicht geklappt hat und aus welchen Gründen. Da dachte ich: Wie kann das denn sein? Was sind das denn für verschiedene Maßstäbe, die angesetzt werden? 


Marie

Ja, es ist wirklich, es ist total verrückt. Wir versuchen immer wieder, unsere ruandischen Partner nach Deutschland einzuladen. Wir setzen so viel Geld gemeinsam um und es sind so professionelle und große Projekte, für die wir für Preise nominiert sind vom Freistaat Sachsen. Und trotzdem kann unser Partner nicht hier einreisen. 


Elisa

Genau, und Duniya ist ja auch von der Position essentiell in dem Verein verankert, er ist angestellt, hat ein geregeltes Einkommen - für mich ist das so absolut nicht nachvollziehbar. Und mir zum Beispiel war das nicht bewusst, dass es dieses Gefälle immer noch so gibt: dass es einerseits super schwierig ist, ein Visum für den Direktor der ruandischen NGO zu kriegen und deutsche Teammitglieder wie Annika und Leander ständig fahren können und es ist kein Problem und das sind arme, mittellose Studenten, wenn ich das mal so sagen kann.


Marie

Ja, es ist halt politisch. Wir kommen nicht darum herum, dass die Arbeit, die wir machen, auch politisch ist. Dass Geld in den globalen Süden geschickt wird, damit dort Strukturen verbessert werden, damit die Leute ja nicht nach Europa migrieren - das ist okay, aber ein Visum wird dann eben nicht gewährt, weil die Person könnte ja bleiben wollen. Das, ja, das macht mich richtig wütend.


Elisa

Ja, kann ich nachvollziehen. 


Marie

Ich würde mir auch deshalb wünschen, dass wir irgendwann, wenn wir mehr Kapazitäten haben, unsere Arbeit auch dahingehend stärker ausrichten.

  



 
 
 

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