WEITERDENKEN

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Foto: Boureima Campaoré / 7 Jahre alt / Burkina Faso 2013

Projekt Mach dir ein Bild © Marie Köhler

Liebe Leser/innen,
 

unseren Auftrag sehen wir nicht allein darin einen kulturellen Austausch herzustellen und die Projekte

der Root Foundation Rwanda zu unterstützen, sondern wir legen großen Wert darauf, dass auch im Gemeinsamen neue Denkprozess angestoßen werden, um kritisch und umfangreich von einander zu lernen.

 

So stellten wir uns z.B. zentrale Fragen in Bezug auf das Verhältnis zwischen den Menschen in Europa und Afrika und legen unseren Blick auf unsere gemeinsame postkoloniale Gegenwart.

 

Dazu werden wir regelmässige Texte von unterschiedlichen Personen auf unserer Internetseite veröffentlichen. Zudem wird es Buchtipps und Veranstaltungshinweise geben.

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"Das Corona-Virus offenbart die Systemschwächen der herrschenden Ideologie des 21. Jahrhunderts."


Philosophie-Professor Markus Gabriel von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn verfasste - in Bezug auf die aktuelle Sondersituation wegen der Corona-Pandemie - am 20. März 2020 einen Appell an alle Menschen dieser Erde: "Wir brauchen eine neue Aufklärung, jeder Mensch muss ethisch ausgebildet werden (…).". Seinem Beitrag geht die Annahme voraus, dass die globale Vernetzung (sozial, wirtschaftlich, kulturell, politisch, etc.) zu weitaus folgenreicheren Problemen führen wird, dass der derzeit bedrohliche Virus erst der Beginn einer weltweit unaufhaltsamen Reaktionskette sein könnte.


Fragen, die sich mir nun stellen, sind zum Beispiel:

Wie könnte eine solche Aufklärung aussehen? Was braucht es für eine ethische Grundausbildung? Genügt es, kritische Reflexion zu betreiben und alltägliche Gewohnheiten umzustellen oder braucht es nicht längst viel radikalere, tiefgreifendere Maßnahmen? Ist moralischer Fortschritt, der, so Gabriel, echten Fortschritt bedinge, innerhalb der derzeitigen Weltordnung überhaupt möglich? 


"(D)ie Pandemie betrifft alle Menschen. Sie beweist, dass wir alle durch ein unsichtbares Band, unser Menschsein verbunden sind. Vor dem Virus sind alle Menschen gleich." - Eine Erkenntnis, die zum Nachdenken bewegt. Und eine, die einmal mehr ungleiche Privilegien infrage stellt. 


https://www.uni-bonn.de/neues/201ewir-brauchen-eine-metaphysische-pandemie201c


von Elke Böttcher


Warum leisten wir, die aus einem westlichen Kontext kommen, Entwicklungsarbeit?


Viele Organisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, geben mehr Geld für die Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland aus, als sie tatsächlich in die Arbeit vor Ort investieren. Diese gängige Praxis in der Entwicklungsarbeit lässt die zugrunde liegende Annahme erahnen, dass ein westlicher Entwicklungshelfer besser in der Lage ist, zu „helfen“ als jemand, der aus dem Empfängerland kommt. Die Bedeutung von „white savior" (weißer Retter) reicht jedoch weiter und es stellen sich Fragen wie: Warum leisten wir, die aus einem westlichen Kontext kommen, Entwicklungsarbeit? Was können wir, was andere nicht können? Ist unsere Solidarität und Nächstenliebe eventuell sogar durch eine historische Schuld der früheren Kolonialisierung motiviert?

Die in Uganda ansässige Advocacy-Kampagne "No White Saviors" hat kürzlich einen neuen Podcast gestartet, um eben diese Problematik der heutigen Entwicklungspraxis anzusprechen. Der Podcast hinterfragt die Natur der aktuellen Entwicklungszusammenarbeit, indem er Gäste aus dem afrikanischen Kontinent und der ganzen Welt einlädt, um ihre persönlichen Perspektiven zu teilen. Zu Themen wie der Medienrepräsentation, „Poverty Porn“, weiße Privilegien/westliche Bevormundung und der anhaltenden Ansicht, dass westliche Entwicklungshelfer die wahren Helden der Geschichte sind wird diskutiert. Als Root Foundation Germany halten wir eine kritische Reflexion unseres Arbeitsfeldes für wichtig. Während der Podcast "No White Savior" für einige Leute, die in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten, provokant erscheinen mag, befasst er sich mit grundlegenden Problemen, wie wir die Zusammenarbeit im Bereich Entwicklung verstehen. Wir glauben, dass es auch als Spender wichtig ist, die eigenen Motivationen in Frage stellen zu können, und dass jeder ein Anrecht darauf hat, zu wissen, wie die jeweilige begünstigte Organisation arbeitet. Sie können den Podcast "No White Saviours" auf Podtail oder Apple-Podcasts finden.




"Kritik der schwarzen Vernunft" von Achille Mbembe


Das Menschliche Geld.


Der Historiker, Politologe und Theoretiker des Postkolonialismus behandelt in seinem Buch unter anderem den transatlantischen Sklavenhandel. Der kamerunische Autor bezeichnet diesen als "Ausgangspunkt zahlreicher Katastrophen und zur Ursache unerhörter psychischer Verheerungen.“

Er schreibt in seinem fesselnden Buch auch über den mittlerweile weltbeherrschenden Kapitalismus und die "schwarze Vernunft", dem immer noch verbreiteten und alltäglichen rassistischen Denken.


Mbembe schreibt darüber, das wir alle dieselbe Geschichte, aber nicht die selben Erinnerungen teilen. Um etwas verändern zu können, sollten wir Projekte entwickeln, in denen wir alle zusammen neue gemeinsame Geschichte schreiben, um daraus resultierend die gleichen oder ähnlichen Erinnerungen teilen zu können.


Der Titel ist sicher auch ein Hinweis auf Immanuel Kants Plädoyer „Kritik der reinen Vernunft", das im 18. Jahrhundert eine wichtige Veröffentlichung war. Achille Mbembe hat für lange Zeit in den USA gelehrt und unterrichtet nun in Johannesburg.

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