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Root Foundation Germany e.V. als Kompromiss

Aktualisiert: 5. Dez 2020


Text von Paul Klahre


Als Gründungs- und ehemaliges Vorstandsmitglied des Vereins gibt Paul seine persönliche Sichtweise wieder und verfolgt nicht den Anspruch, für den Verein als ganzen zu sprechen.



Die Root Foundation Germany e.V. ist ein Kompromiss. 


Da ist zum einen der Wille, die Root Foundation Rwanda (RFR) finanziell und ideell zu unterstützen; er entspringt dem von vielen Vereinsmitgliedern selbst bezeugten Bedarf an Unterstützung. Und da ist zum anderen die besorgniserregende Herausforderung, dass wir durch unsere Geldzuwendungen nach Ruanda ein veraltetes Nord-Süd-Gefälle fortführen und dadurch schädliche Strukturen prägen; sie ergibt sich aus der diskursiven Auseinandersetzung mit entwicklungspolitischen Themen und Kritik an (post-)kolonialen Strukturen. 


Dies zeigt zwei gegensätzliche Handlungsoptionen auf: Spenden vs. Spendenkritik

Der folgende Text diskutiert die Notwendigkeit des Spendens, Aspekte der Spendenkritik und den Umgang der Root Foundation Germany mit diesem Dilemma. 

Spenden

„Wir sind dankbar für jede Unterstützung, die unsere Arbeit ermöglicht und wir schätzen es sehr, dass du dich ein Jahr deines Lebens bei uns engagierst.“ Diese Worte der Begrüßung von vor fast 4 Jahren, als ich einen Freiwilligendienst in der Root Foundation Rwanda begann, klingen noch immer nach. Sie dienen als meine persönliche Legitimation, in Deutschland Spenden für die tolle Arbeit der „Root“ zu sammeln. Kaum etwas scheint einfacher, als vor Ort in Kigali den finanziellen Bedarf der Organisation zu erkennen. 


Während sich viele meiner Gedanken seit meiner Zeit in Ruandas Hauptstadt veränderten, bleibt einer bis heute unverändert: Die Arbeit der Organisation ist essentiell für die Betroffenen und - gemessen an vergleichbaren Angeboten in Kigali - so gut, dass sie in jedem Fall weitergehen und im besten Fall in Reichweite und Qualität wachsen sollte. Ihr außerordentliches Potenzial, im Leben hunderter junger Menschen den Unterschied in der persönlichen Entwicklung zu machen, gehört ausgeschöpft. Dafür braucht es notwendigerweise Geld, und dieses aufzutreiben, war eine der schwierigsten Aufgaben in jedem der letzten 8 Jahre des Bestehens der Nichtregierungsorganisation. Ausreichend lokale Mittel zur Finanzierung zu mobilisieren scheint in noch weiter Ferne (zu den Ursachen mehr unter Spendenkritik 5). Abgesehen von höherer Spendenbereitschaft im globalen Norden existiert in Deutschland, anders als in Ruanda, die notwendige Infrastruktur zum Spendensammeln (u.a. Zugang zu Fundraising-Websites, Ausstellen von Spendenbescheinigungen, Möglichkeit von PayPal-Zahlungen, Direktüberweisung ohne Transaktionskosten).

Nicht zu unterschätzen sind die positiven Auswirkungen des Spendens auf die Arbeit und Menschen vor Ort; es ist nämlich nicht nur die Finanzierungsquelle der wertvollen Tätigkeiten. Vielmehr ist das Spenden auch eine ideelle Förderung: Die Anerkennung der guten Arbeit und des freiwilligen Engagements der mehr als 10 Ruander*innen, damit ein externer Motivationsanreiz für persönlichen Einsatz, und nicht zuletzt Ermutigung zu ehrenwertem Dienst unter nicht immer leichten Bedingungen.